TAND220A – Tan-δ-Messgerät für Isolieröl
Das Messgerät TAND220A entspricht der internationalen Norm IEC 61620.
Das Gerät arbeitet nach dem sogenannten "Wechselrechteckwellenverfahren mit niedriger Amplitude und niedriger Frequenz" und erlaubt genaue Messungen von Leitfähigkeit und relativer Permittivität. Die Leitfähigkeitsmessung im Bereich von 0,01 pS/m bis 20.000 pS/m ermöglicht den Einsatz des Geräts zur Qualitätskontrolle hochohmiger Flüssigkeiten auch bei Raumtemperatur.
Das TAND220A arbeitet mit einer niedrigen Prüfspannung und einem ebenso niedrigen Prüfstrom. Eine Gefährdung des Bedienpersonals besteht damit nicht.
Messverfahren
Die Flüssigkeit im Prüfgefäß wird mit einer Rechteckwechselwelle niedriger Amplitude (30 V) und niedriger Frequenz (0,5 Hz) ohne Gleichanteil angeregt (siehe Abbildung 1).
Aus dem durch die Flüssigkeit fließenden Strom werden die Kapazität C und der Leitwert G bestimmt; die relative Permittivität εr und die Leitfähigkeit σ ergeben sich nach den folgenden Gleichungen
εr = C/Co
σ = εo.G/Co
Der abgeleitete Verlustfaktor tanδ für eine gegebene Frequenz f wird mit der folgenden Gleichung bestimmt:
tanδ = G/C-2
Für die Bestimmung der Leitfähigkeit oder von tanδ ist das Wechselrechteckwellenverfahren wesentlich empfindlicher als die Brückenmethode. Es erlaubt die Bestimmung der Leitfähigkeit bis 0,01 pS/m und von tanδ bis 10-6 (bei 50 Hz). Durch diese hohe Empfindlichkeit lassen sich Leitfähigkeit und tanδ bei niedrigen Temperaturen messen; die Charakterisierung von Flüssigkeiten bei Raumtemperatur ist damit sicher durchführbar.
Prüfgefäß
Die rechteckförmige Anregungsspannung mit einer Amplitude von nur ±30 V erlaubt ein Prüfgefäß mit einfachem, bedien- und reinigungsfreundlichem Aufbau. Das Prüfgefäß des LCM-8716 besteht aus nur zwei Teilen: einem Behälter und einem Aktivteil. In dem ebenfalls aus Edelstahl gefertigten Gefäß sind zwei koaxiale Elektroden aus Edelstahl eingebaut. Das Gefäß trägt zudem zwei BNC-Anschlüsse, die mit den beiden Elektroden verbunden sind. Die Elektroden haben eine saubere, polierte Oberfläche. Gefäß und Aktivteil werden nach den in Anhang A beschriebenen Verfahren gereinigt. Ein Zerlegen des Aktivteils zur Reinigung ist weder möglich noch erforderlich.
Die für die Prüfung erforderliche Flüssigkeitsmenge beträgt 210 ml. Dazu wird das Gefäß bis 23 mm vor dem Gefäßende mit Flüssigkeit gefüllt.
Die Temperatur der Flüssigkeit wird mit einem elektronischen Thermometer bestimmt, das durch die Öffnung im Deckel in das Gefäß eingeführt wird.
Anwendung
Eine typische Anwendung des TAND220A ist die Qualitätskontrolle von Mineralöl, das als dielektrische Flüssigkeit in Hochspannungsschaltanlagen eingesetzt wird – etwa in Leistungs- oder Messwandlern, Kondensatoren, Endverschlüssen usw.
Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Leitfähigkeit des Öls von Verunreinigungen und ionischen Bestandteilen beeinflusst wird, die in das Öl eingebracht oder darin gebildet wurden. Die Leitfähigkeit charakterisiert die Ölqualität daher gut. Umgekehrt ist nachgewiesen, dass im Öl gelöste Feuchte die Leitfähigkeit nicht wesentlich beeinflusst. Die folgenden Leitfähigkeitswerte bei Raumtemperatur sind je nach Einsatz typisch:
- Neues Öl (Laborqualität) ≤ 0,05 pS/m
- Neues Öl (Industriequalität) 0,05...0,1 pS/m
- Wenig gebrauchtes Öl in gutem Zustand 0,1...1,0 pS/m
- Durchschnittlich gebrauchtes Öl in akzeptablem Zustand 1,0...5,0 pS/m
- Stark gebrauchtes Öl in schlechtem Zustand > 5,0 pS/m
Technische Daten
Messbereich der Leitfähigkeit | 10-14 ... 2'10-8 S/m in vier Bereichen |
Unsicherheit der Leitfähigkeitsmessung | ±1 Digit ±1 % des Messwerts |
Messbereich der relativen Permittivität | bis 5,00 |
Auflösung der Permittivitätsmessung | 0,001 für relative Permittivität bis 1999 |
Unsicherheit der Permittivitätsmessung | ±1 Digit ±0,2 % des Messwerts |
Frequenz der Messspannung | 0,5 Hz |
Messspannungsbereich | ±30 V Rechteckwelle ohne Gleichanteil |
Analogausgänge | 2 V von 0 bis 100 %. |
Gewicht | 2,6 kg |
Abmessungen (Breite ' Tiefe ' Höhe in mm) | 260 ´ 283 ´ 115 |
Versorgung im Feld | vier AA-Batterien |
Versorgung im Labor | 100 ... 240 Vac 50/60 Hz |
Betriebstemperatur | 0¼35°C |
Gefäß | |
Erforderliche Flüssigkeitsmenge | 210 ml |
Leerkapazität | ≈ 60 pF |
Kapazitätsdrift mit der Temperatur | < 50 ppm/°C |
Elektrodenabstand | 1,5 mm |
Temperaturmessung | elektronisches Thermometer |
Gewicht | 1,2 kg |
Abmessungen (Höhe ' Durchmesser in mm) | 125 ´ 82 |
Tabelle 1: Elektronisches Messgerät | |
Optionales Zubehör
Z1 Gefäßheizung Das Gerät erwärmt die Proben auf 90 °C ± 0,1 °C und hält diese Temperatur, um die Messung normgerecht nach IEC durchzuführen. | Z2 Gefäß für kontinuierliche Messung Das Gefäß für die kontinuierliche Messung von tanδ in einem Ölkreis, etwa dem einer Ölaufbereitungsanlage. Die Sonde für die kontinuierliche Messung wird am Auslass eines Ölkreises hinter der Pumpe installiert. Ein bestimmter Ölanteil durchströmt die Sonde für die kontinuierliche tanδ-Messung. |
